«Logistic Talk» Experten-Interview mit Fastlog CEO Ines Furler

Anlässlich der Logistics & Distribution Fachmesse in Zürich hielt der Fachverband GS1 einige exklusive Experteninterviews mit Führungskräften und Innovatoren aus der Logistikbranche ab.
Fastlog CEO Ines Furler war die Gesprächspartnerin von Thomas Bögli, dem Leiter der GS1 Academy zum Thema „Outsourcing – Dienstleistung ohne Grenzen?“. Sie bot bei dieser Gelegenheit auch interessante Einblicke in die Kompetenzbereiche von Fastlog.

Thomas Bögli:
Frau Furler, seit dem 1. Januar 2018 sind Sie CEO bei der Fastlog AG in Thun, was macht die Firma genau?

Ines Furler:
Fastlog ist spezialisiert in der Vorwärts- und Rückwärtslogistik mit den dazugehörigen Services im Bereich ICT und Telekommunikation. Die Kernkompetenzen liegen in den Pre- und Aftersales-Leistungen. Konkret heisst das: Prüfen, Testen, Staging, Konfiguration, Resets und Reparaturen technischer Gerätschaften aller Art.

Wer zu uns kommt, erwartet echte Entlastung von solchen Notwendigkeiten, um sich aufs eigene Kerngeschäft zu konzentrieren. Uns muss es also gelingen, unseren Kunden stets einfache, schnelle und zuverlässige Lösungen zu bieten.

Thomas Bögli:
Als ehemalige Geschäftsführerin der DHL Schweiz und aufgrund Ihrer bisherigen Karriere kennen Sie die Branche von Grund auf. Wie schätzen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Logistik ein? Wo ist in den letzten Jahren nachhaltiger Mehrwert entstanden?

Ines Furler:
Der heutige Markt für Logistikdienstleistungen hat sich aus der Branche der Transporteure entwickelt. Deren Leistungsspektrum beschränkte sich primär auf die klassische Sendungsabwicklung von A nach B. Das reicht heute natürlich nicht mehr.

E-Commerce und Logistik verschmelzen mehr und mehr, die Digitalisierung bietet immer neue Möglichkeiten. Firmen nutzen Outsourcing-Möglichkeiten, vom Einkauf einzelner Dienstleistungen bis hin zur Auslagerung ganzer Prozessketten – wir sind gefordert, uns diesen Bedürfnissen entsprechend neu zu positionieren und beispielsweise einem Onlinehändler die komplette Abwicklung seines E-Commerce bis hin zum Endkunden abzunehmen. Das ist dann ein echter Mehrwert. Wir gehen davon aus, dass der Trend zum Logistik-Outsourcing auch in nächster Zukunft anhalten wird und die Prozesse an Komplexität zunehmen werden. Entsprechend werden wir unser Leistungsspektrum weiterentwickeln.

Das Ziel ist immer das gleiche: die Produkte der Kunden zu bearbeiten, den Kundenbedürfnissen anzupassen und zu lagern, bis dann die Waren rechtzeitig und an den richtigen Ort geliefert werden. Der Kunde wählt das für ihn passende Paket und bezahlt nach dem Prinzip «pay per use» nur, was er wirklich benötigt.

Thomas Bögli:
Stimmt es, dass sich regional tätige Unternehmen bevorzugt auch regionale Dienstleister suchen und die Global Players auch auf ihresgleichen im Outsourcing setzen?

Ines Furler:
Das würde ich so nicht sagen. Globale Logistik- resp. Transportunternehmen können zwar aufgrund von internationalen Referenzprojekten ein entsprechendes Know-how anbieten, umsetzen müssen es aber die jeweiligen Teams vor Ort. Es braucht beide und es existieren ganz unterschiedliche Ansätze für die Zusammenarbeit: Es gibt grosse Weltkonzerne, welche im Bereich der Logistikservices auf regional verankerte Spezialisten setzen, welche die lokalen Kunden kennen, die jeweilige Landessprache (D, F, I) sprechen und mit ihrem Auftraggeber genauso selbstverständlich in Englisch kommunizieren.

Handkehrum gibt es die Situationen, in denen Grosskonzern nur mit Grosskonzern arbeiten wollen, zum Beispiel, wenn es um weltweite Verträge mit grossem Volumen geht und globale Anbieter die besseren Konditionen bieten können. Und dann sind da noch die lokalen Firmen, welche auf ortsansässige Dienstleister Wert legen.

In jedem Fall ist Logistik ein «People’s Business» und basiert in erster Linie auf gegenseitigem Vertrauen.

Thomas Bögli:
Die Entwicklung geht also seit Jahren in Richtung Outsourcing. Gibt es auch eine Art Gegentrend zum Insourcing?

Ines Furler:
Ob der Trend nun gerade zum Out-, oder zum Insourcing weist – jedes Unternehmen muss sich in Ruhe seine eigene Strategie zurechtlegen. Der Trend zum Outsourcing wurde bereits mehrere Male zu Unrecht totgesagt. Der Ruf nach Insourcing erwächst häufig aus gescheiterten Outsourcing-Projekten. Es kann allerdings durchaus Sinn machen, gewisse kritische Geschäftstätigkeiten zu reintegrieren. Voraussetzung ist, dass diese unmittelbar mit den Kernkompetenzen eines Unternehmens in Zusammenhang stehen.

Thomas Bögli:
Fassen wir es zusammen: Welche Risiken birgt ein Outsourcing? Und was spricht dafür?

Ines Furler:
Wenn das Outsourcing richtig geplant wird, können viele der Risiken minimiert werden. Die richtige Auswahl und Definition der auszulagernden Prozesse hilft beispielsweise dabei, den drohenden Know-how Verlust mindestens zu verringern.

Grundsätzlich kann man die meisten Risiken in Chancen umwandeln: Ein Vertrag kann so gestaltet werden, dass alle Erwartungshaltungen klar sind, KPI’s definiert und auch Ausstiegsszenarien möglich sind. Ein Wechsel ist immer mit Kosten verbunden und deshalb sollte mindestens ein Mittelfristplan verfolgt werden.

Im Grunde genommen ist ein richtiges Outsourcing mit einer guten Ehe zu vergleichen. Es geht weniger um die Reize einer kurzfristigen Liaison, sondern darum, den richtigen Partner zu finden welcher die Anforderungen langfristig erfüllt. Da sind Offenheit, Transparenz und Toleranz in der Zusammenarbeit gefragt.

Mit diesem Ansatz liegen die Vorteile des Outsourcings auf der Hand: Durch Auslagerung der Sekundärfunktionen kann sich das Unternehmen aufs Kerngeschäft, also die eigene betriebliche Leistungserstellung, konzentrieren. Kostenersparnisse entstehen, zum Beispiel können die Investitionen für Betriebsmittel reduziert werden, Schulungen für eigene Mitarbeiter fallen weg. Saisonal bedingter Flächenbedarf entfällt, dafür entsteht Synergiepotential beim Ressourceneinsatz. Ein spezialisierter Anbieter, der quasi immer State-of-the-Art ist, bietet den Zugang zu modernsten Technologien. Das steigert die Effizienz. Nicht von der Hand zu weisen ist auch der Umstand, dass durch strategische Partnerschaften neue Geschäftsfelder eröffnet wer-den können.

Thomas Bögli:
Kommen wir zu einem ganz konkreten Thema: Die Logistik im Bereich Retourenmanagement nimmt stark zu. Wie stellt man sich da als Dienstleister am besten auf?

Ines Furler:
Um Retourenprozesse erfolgreich abwickeln zu können, müssen die gesamte Kette sowie die Kundenbedürfnisse bekannt sein. Der Kunde erwartet schliesslich kurze Durchlaufszeiten und eine einfache Abwicklung seiner Sendungen. Studien haben gezeigt, dass unkomplizierte Rücksendungen einen sehr positiven Einfluss auf die Loyalität und die Zufriedenheit der Konsumentinnen und Konsumenten haben.

Die Anforderungen an den Retourenprozess sind meist gegensätzlich: Einerseits spielen die häufig unterschätzten Kosten eine wesentliche Rolle, andererseits ist der Umgang mit Retouren ein wichtiges Instrument für Kundenbindung und Datengewinnung.

Für uns heisst das: Auf der Seite der Kosten ist bei der Retourenbearbeitung eine möglichst hohe Automatisierung ausschlaggebend, welche gleichzeitig maximale Flexibilität garantiert. Hier müssen wir innovativ, schnell und flexibel sein. Andererseits geht es um schnelle, individuelle Lösungen, aus welchen unsere Kunden den maximalen Nutzen in Sachen Datengewinnung und Kundenzufriedenheit ziehen können.

Thomas Bögli:
Und zum Schluss noch eine persönliche Frage: Mussten Sie schon mal einem Kunden sagen «Das können wir nicht»?

Ines Furler:
«Geht nicht» gibts nicht. (lacht)
Ziel ist es immer, dem Kunden alles aus einer Hand anbieten zu können. Das heisst aber nicht zwingend, dass wir auf Biegen und Brechen alles selbst machen wollen oder müssen. Im Gegenteil. Sollte mal wirklich der Fall auftreten, dass Fastlog nicht in der Lage ist, alle Bedürfnisse eines Kunden selbst abzudecken, suchen wir uns einen geeigneten Partner, um dann gemeinsam dem Kunden alles aus einer Hand anbieten zu können.

Thomas Bögli:
Danke für das Gespräch.

2018-05-08T14:09:45+00:00